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Internet-Zugang, 40.000 Fuß über dem Meer

Eine der kleinen Höllen sind für den Vielflieger die Stunden tödlicher Langeweile oder erzwungener Untätigkeit, die er in einem Flugzeug verbringen muss. Warum zwingen mich Fluggesellschaften, immer wieder den drittklassigen Film zu sehen, den ich noch nie vermisst habe? Doch in einigen Jahren soll es möglich sein, in Düsenclippern per Internet webzusehen, Reisen zu buchen, E-Mail zu erledigen, Aktienkurse abzurufen, e-einzukaufen oder sich gar durch Fernsehen, Radio, und Lieder unterhalten zu lassen – 10 Kilometer über der Erde, bei 800 Stundenkilometern.

Umfragen zeigen immer wieder, dass Vielflieger den Internetzugang über den Wolken wollen. Flugzeughersteller Boeing, Medienkonzern News Corp. und andere Unternehmen laufen deshalb miteinander um die Wette, um solche Systeme zu entwickeln und anzubieten – selbstverständlich mit einem Preisschild versehen. Über 50 Milliarden Dollar sollen laut Marktforschern mit In-Flug-Kommunikation in der kommenden Dekade einzunehmen sein.

Die Nase vorn hat Airbus-Wettbewerberin Boeing mit ihrem System „Connexion“. Bereits verfügbar für Privatflugzeuge und Firmenjets, stellt es Passagieren eine Hochgeschwindigkeits-Internetverbindung bereit. Ende 2001 soll es auf US-Flügen herkömmlicher Fluglinien verfügbar sein (in einigen Dutzend Machinen), bis 2005 auf Flügen in aller Welt.

Und so funktionierts: Eine Antenne auf dem Dach des Flugzeugs tauscht Daten mit einem Netz von Satelliten aus, die wiederum mt dem Internet verbinden. Die Datenübertragungsgeschwindigkeit beträgt insgesamt 5 Mbps beim Laden von Daten und 1,56 Mpbs beim Versenden von Daten (1 Mbps = rund eine Million Buchstaben pro Sekunde). Alle Passagiere können das System zur gleichen Zeit nutzen und müssen sich daher in die Kapazität teilen. Boeing garantiert jedoch jedem Reisenden eine Mindestgeschwindigkeit von 56 Kbps, was der Transferrate eines herkömmlichen Modems entspricht. Das wird Nutzer zwar nicht gerade in einen Geschwindigkeitsrausch versetzen, doch reicht dies fürs Surfen und fürs E-Mailen. Boeing will die Transferrate im Laufe der Zeit ausweiten. Kostenpunkt des Systems pro Flugzeug: 300.000 US-Dollar.

Für den Nutzer geht das so: Er schließt seinen Reiserechner an eine Datensteckdose in seinem Sitz an. Connexion stelllt dann fest, welches Betriebssystem sein Rechner verwendet und überträgt die entsprechende Steuersoftware auf die Maschine. Anschließend registriert sich der Anwender, bezahlt wird per Kreditkarte oder Firmenkonto. Der Kostenpunkt soll zwischen 6 und 25 Dollar pro Stunde liegen.

Eine ganze Reihe weiterer Unternehmen will ebenso in das potentiell lohnende Geschäft einsteigen. Der wichtigste Boeing-Wettbewerber ist das Inflight Network, ein Gemeinschaftsunternehmen von News Corp. und Rockwell Collins. Wie Connexion ist es Satelliten-gestützt. Doch anders als bei Boeing sollen der anfallenden Datenverkehr und dadurch die Kosten minimiert werden, indem Spiegelserver die beliebtesten Web-Seiten im jeweiligen Flugzeug bereithalten. Dieses System soll außerdem durch den Verkauf von Anzeigen kostenlos sein.

Kleinere Wettbewerber sind Inflight Online (an der Lycos Terra einen 10-Prozent-Anteil hält), Primex Technologies, die Inmarsat-Tochter Airia, Honeywell Inc., Harris Corp., Dynatechs Airshow Inc., Tenzing, sowie Sextant In-Flight Systems. Europas Airbus-Konsortium will keine eigene Technologie entwickeln, sondern den Fluggesellschaften die Systeme verschiedener Unternehmen anbieten.

Die Technik ist also da. Die Frage ist nur: Ziehen die Fluggesellschaften mit? In den Vereinigten Staaten hat sich bisher noch keine einzige US-Fluggesellschaft zu einem ausgewachsenen Praxistest bereit erklärt. Der Grund: Ihnen schmecken die Geschäftspläne nicht, die Boeing und das Inflight Network ihnen vorgelegt haben. „Wir sollen die ganzen Investitionen tragen, aber die Anbieter wollen uns keinen vernünftigen Anteil an den Einnahmen einräumen“, so der Manager einer Fluggesellschaft. Man habe ihnen zwar Anteile an den Internetzugangs-Unternehmen angeboten, doch seien diese zu klein. Auch sei es nicht annehmbar, dass diese die Kundenabrechnung selbst vornehmen und nicht den Fluggesellschaften überlassen wollen. Den Airlines gehen so wertvolle Kundendaten verloren.

Deshalb ist mit einer langsame Einführung dieser Systeme zu rechnen. Inflight Network etwa hat wegen dieser Schwierigkeiten den ursprünglich für den kommenden Herbst geplanten Produktstart aufs Jahr 2002 verschoben.

Ein gutes Zeichen ist, das einige Fluggesellschaften E-Mail-Systeme diesseits des kompletten Internetzugangs (gestützt auf bereits bestehenden Bordtelefonsystemen) testen und im Laufe dieses Jahres einführen wollen. Zu den Pionieren zählen Singapore Airlines, Cathay Pacific, Air Canada, Virgin Atlantic sowie die Swissair.

Domänennamen in Chinesisch und Japanisch

Bis vor kurzem war das Internet außerhalb der Vereinigten Staaten so kulturimperialistisch wie Coca Cola oder Emm Cee Donalds: Selbst in Ländern, die nicht-lateinische Schriften verwenden, mussten Website-Betreiber mit dem englischen 26-Buchstaben-Alphabet und den zehn arabischen Ziffern vorlieb nehmen, um Sites zu benennen.

Das hat sich geändert: Im November haben die wichtgsten Domänennamen-Registraturen begonnen, Registrierungen in vier asiatischen Schriften anzunehmen: Japanisch, Koreanisch sowie in der vereinfachten chinesische Schrift (in der Volksrepublik China in Gebrauch) und in der traditionellen chinesischen Schrift (in Taiwan und bei fast allen Auslands-Chinesen in Verwendung, beispielsweise in den USA).

Was technisch geschieht: Ein Nutzer gibt einen Namen in einer der unterstützten asiatischen Schriften ein. (Auch die neuen Namen müssen mit in einer der herkömmlichen Endungen enden: „.com“, „.net“ und „.org“. Beispiel: .) Eine Software übersetzt den Namen nach der sogenannten RACE-Norm in eine Folge von lateinischen Zeichen – unsichtbar für den Anwender. Diese Zeichenfolge wiederum können die Domänennamen-Server wie bisher verstehen. Diese Server übersetzen Domänennamen in die sogenannten IP-Nummern, die unverwechselbaren Nummernschilder von Webservern (www.sfreport.com wird so zu 209.233.29.34). Mit diesen Nummern ist dann der Zugriff auf die entsprechenden Maschinen möglich.

Das Angebot ist vorläufig ein Versuch, den die Firma Verisign durchführt, die Muttergesellschaft der Registratur Network Solutions. In Zukunft will das Unternehmen auch das portugiesische und das spanische Alphabet unterstützen sowie die arabische Schrift – anscheinend wird es noch etwas dauern, bis wir Namen mit deutschen Umlauten sehen werden.

Verisign hat sich mit dem Angebot nicht nur Freunde gemacht: Die Internet Society (ISOC) kritisierte den Versuch scharf und behauptete, das System werde die Stabilität des Domänennamen-Systems beeinträchtigen, weil es kein internationaler Standard ist. Die ISOC ist die Dachgesellschaft der wichtigsten Organisationen, welche die technischen Standards des Internets entwickeln. Doch Verisign lehnt es ab, den Versuch zu verzögern. Abgesehen davon, dass sich damit jede Menge Geld verdienen lässt, ist das Interesse an dem neuen Angebot überwältigend: Mehr als 700.000 Namen wurden in den ersten 30 Tagen des Angebots registriert. Und so könnte die ISOC vor vollendeten Tatsachen stehen.

Eine weitere Hürde scheint dagegen aus dem Weg geräumt zu sein: Das halboffizielle China Internet Network Information Center (CNNIC) hatte zunächst einen Streit mit Verisign begonnen und behauptet, ohne Zustimmung Chinas könne kein chinesischer Domänenname registriert werden. Nach einem Krieg der Worte mit Verisign gab das CNNIC nach – vermutlich, weil es Verisigns Vorgehen ohnehin nicht verhindern konnte. Das CNNIC forderte Verisign aber dazu auf, abzuwarten, bis eine internationale Norm entwickelt worden ist.

Wer also plant, sein Geschäft nach Asien auszuweiten, sollte vorsorglich seinen Domänennamen in den entsprechenden Schriften sichern. Manche Websites wie Registrars.com übersetzen sogar englische Namen in die gewünschte Schrift.

Das Letzte!

Drei Bettler sitzen in New York.. .

Der erste schreibt auf seine kaputte Blechtasse "Betteln", und nach einem Tag hat er 10 Dollar.

Der zweite schreibt "betteln.com" auf seine Tasse, und nach einem Tag hat er 10.000 Dollar. Einer wollte ihn sogar mit zur NASDAQ nehmen. 

Der dritte schreibt "e-betteln.com" auf seine Blechtasse. IBM und HP sandten Ihre Vizepräsidenten zu ihm, um über eine strategische Allianz zu diskutieren, boten ihm kostenlose Hardware und professionelle Beratung an und Larry Ellison verkündete auf CNBC, dass e-betteln zu 95% mit ORACLE-Technologie arbeite. Und Cisco hat lautstark verkündet, dass so gut wie der komplette e-betteln Datenverkehr über ihre Ausrüstung läuft.

San Francisco, den 8. Januar 2001

Ihr

            

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