Im Auftrag von



Mai 2000

·  Big in Japan
·  Das Auto als Web-Browser
·  Telefon per Internet 
·  Das Letzte!

Inhalt

  San Francisco Newsletter
·  Aktuelle Ausgabe
(September - Dezember 2000)
·  Juli/August 2000
·  Juni 2000
·  Mai 2000
·  April 2000
·  März 2000
·  Februar 2000
·  Januar 2000
·  Dezember 1999
·  November 1999
·  Oktober 1999 
·  September 1999 
·  August 1999 
·  Juli 1999 

·  San Francisco Newsletter- Mailingliste! Gratis!
·  Über den San Francisco Report

 

Erste Seite | Vorige Seite | Folgende Seite | Letzte Seite

Das Auto als Web-Browser

Zwei der größten Lieben der Amerikaner: das Auto und das Internet. Was liegt näher, als beide zu vereinen? Genau das planen US-Autohersteller: General Motors will im Herbst diesen Jahres die ersten Automobile auf den Markt bringen, die über einen drahtlosen Internet-Zugang und sprachgesteuerte Web- und Internet-Anwendungen verfügen. 

2000 US-Dollar sollen diese Systeme für den mobilen Internetnutzer kosten, ungefähr das, was heute ein Navigationssystem fürs Auto kostet. Das ganze wird zunächst also eher ein Vergnügen für Wohlhabende sein. Und trotzdem scheint General Motors fest an den Erfolg des Einfalls zu glauben: Über eine Million Wagen will das Unternehmen pro Jahr absetzen.

Hinter den Kulissen arbeiten Computerunternehmen wie IBM, Motorola, Sun, Intel und Microsoft mit den Autoherstellern zusammen, um preiswertere Systeme für den Auto-Massenmarkt zu entwickeln. Fords Design-Vizepräsident J. Mays schätzt, dass Internetzugang und Sprachsteuerung für Feld-Wald-und-Wiesen-Automobile noch drei bis fünf Jahre in der Zukunft liegen. Das Preisschild für den Auto-Web-Browser im Jahr 2003: rund 300 Dollar.

Das ist immer noch ein Aufschlag, der die meisten Autokäufer heftig schlucken lassen wird – da müssen die schlauen Kisten schon was ganz besonderes zu bieten haben.

Eine der wichtigsten automobilen Web-Anwendungen der Zukunft: Online-Landkarten und –Streckenbeschreibungen – und zwar gratis und nicht für 2000 Dollar. Nie wieder schwitzen und fluchen, wenn man in einer fremden Stadt den Weg sucht! Technisch am einfachsten wird die Einführung dieser Produkte in den Vereinigten Staaten sein. Sogenannte „navigierbare Kartendaten“ stellt hier der Staat kostenlos zur Verfügung. Dies sind Daten, die so aufbereitet sind, dass eine Software den optimalen Weg zwischen den Punkten A und B berechnen kann. Firmen wie Mapquest, die führende Herstellerin von digitalen Karten und Streckenbeschreibungen in den USA, nehmen diese Daten und bringen sie gratis auf dem Web online. (Lassen Sie sich doch einfach mal von Mapquest zeigen, wie man von unserem Haus zum Büro meiner Freundin Marina bei iSyndicate fährt.) Diese Web-Anwendung bietet Mapquest nicht nur für PC-Browser an, sondern auch für drahtlose Handrechner mit Internetzugang wie den Palm VII oder den Palm V mit dem neuen Drahtlos-Modem Minstrel V von OmnSky. Da ist es nur noch ein Schritt zum Webbrowser im Auto, der dem Fahrer sagt: „Nach hundert Metern: Bitte links abbiegen!“ Toyotas (bisher nicht webbasiertes) System Monet zeigt sogar Live-Bilder von Verkehrsknotenpunkten. Hier wird das drahtlose Internet im Auto sehr plötzlich sehr sehr cool.

In Europa wird es schwieriger sein, solche Gratis-Systeme einzuführen. Der führende Hersteller digitaler Karten für Europa ist Navigation Technologies in Belgien. Das Unternehmen muss navigierbare Daten selbst produzieren. Das ist teuer – sehr teuer. Autohersteller, die Navtech-Daten für Navigationssysteme verwenden wollen, bezahlen dafür Millionenbeträge (und Sie haben sich gewundert, warum die Software-Lotsen so teuer sind). Kein Wunder, dass Firmen wie Navtech kein Interesse daran haben, Websites dabei zu helfen, kostenlose Webgeschreibungen wie in den USA zu veröffentlichen, die dann mehr oder weniger gratis auf Web-Browsern in Autos wieder auftauchen – und ihr Geschäftsmodell ruinieren.

Die zweite wichtige Gruppe von Online-Anwendungen im Auto: Alles rund um den Betrieb des Wagens und die Sicherheit der Passagiere. Das Web-Navigationssystem für das Auto käme mit einem Global Positioning System (GPS). Der Wagen weiß also jederzeit, wo es sich befindet. Nützlicher Nebeneffekt: Bei einem Unfall würde das Auto selbsttätig Hilfe herbeirufen. Merkt das Auto, dass bald das Benzin ausgeht, könnte es dem Fahrer sagen, wie er zur nächsten Tankstelle kommt – oder zu der mit dem günstigsten Preis. Wird ein Ölwechsel fällig, könnte es den Fahrer darauf aufmerksam machen – und gleich die nächste Vertragswerkstatt ausfindig machen sowie einen Termin für die Wartung vereinbaren.

Nichts hindert solche Systeme technisch daran, Fahrer und Passagieren auch ganz gewöhnliche Web-Inhalte anzubieten: Der automobile Web-Browser würde Nachrichten, Sportergebnisse, Aktienkurse und E-Mails einfach vorlesen, während man fährt. Die erforderliche Technologie entwickeln Firmen wie TellMe – bisher noch für die Web-Nutzung per Telefon (siehe Das neueste Internet-Zugangsgerät? Das Telefon).

Selbstverständlich müssen sich die Anwendungen ausschließlich per Spracheingabe und -ausgabe nutzen lassen. Displays und Tastaturen würden den Fahrer zu sehr ablenken: Das New England Journal of Medicine veröffentlichte eine Untersuchung, nach der die Nutzung eines Handys, während man fährt, die Wahrscheinlichkeit eines Unfalls vervierfacht.

Der Durchbruch in den Massenmarkt wird der neuen Idee erst gelingen, wenn sie Anwendungen anbieten kann, die große Datenmengen bewegen: Mit dem Auto der Zukunft werden Sie telefonieren können, ohne die Hand vom Steuer zu nehmen. Quengelige Kinder auf der langen Urlaubsreise unterhalten Sie mit Fernsehen, Videofilmen und Spielen frisch vom Web. Sie sind Deutscher und arbeiten in San Francisco? Selbstverständlich können sie Bayern V aktuell im web-basierten Autoradio hören!

Doch damit das klappt, braucht es drahtlose Hochgeschwindigkeitszugänge zum Internet. Die wird es in gut einem Jahr geben, wenn die ersten Handys auf den Markt kommen, welche die neue Mobiltelefon-Norm UMTS Universal Mobile Telecommunications System unterstützen (siehe Drahtloses Internet und der Tod des PC). Die Norm wird Datentransfers mit bis zu 2 MBit pro Sekunde erlauben (gut 2 Millionen Bit oder gut 260.000 Buchstaben pro Sekunde) -- mehr als genug für alle Multimedia-Anwendungen.

Was das Web im Auto billiger machen könnte und vielleicht sogar kostenlos: Anzeigen, welche Überraschung! Autohersteller könnten Anzeigenkunden den Kontakt zu so vielen potentiellen Kunden anbieten, dass selbst riesige Fernsehsender wie NBC oder ABC vor Neid erblassen würden, so Sun-Chef Scott McNealy, der die Web-fähigen Automobile der Zukunft „nichts anderes als Java-Browser auf Rädern“ nennt.

Kurze Werbeclips wie im Radio könnten Ihnen beispielsweise mitteilen, dass die Aktienkurse vom Consors Discountbroker gesponsort werden. Und wenn Ihnen das Benzin ausgeht, könnte Ihnen Ihr Wagen zwar alle Aral-Stationen im Umkreis von fünf Kilometern vorschlagen, aber nicht die Esso-Stationen – Aral hat den Autohersteller bezahlt, Esso nicht.

Telefon per Internet: besser und billiger

Wer dieser Tage Instant Messenger Anwendungen benutzt, etwa den Yahoo! Messenger, AOLs Dienste AIM und ICQ oder Excite@Homes PAL, wird eine interessante Entdeckung machen: Alle Dienste unterstützen neuerdings nicht nur den Austausch von Textnachrichten, sondern auch von Sprache.

Alles, was man dazu braucht, ist ein Rechner mit Mikrophon und Lautsprecher sowie eine Internetverbindung. Sie wählen einfach den Namen des Gesprächspartners in einem Auswahlfenster und klicken das Kommando „Voice Chat“ an. Das Messenger-System baut die Verbindung auf, und schon kann man sich per Internet unterhalten -- kostenlos.

Dabei ist es egal, ob der eine Partner in Johannesburg sitzt und der andere in Gütersloh. Das bedeutet nichts anderes, als dass der PC (oder zukünftig andere Internet-Zugangsgeräte wie Handrechner und Spielkonsolen) den Telefonapparat abschafft – und die Telefongesellschaften, welche bisher die Verbindung bereitstellten.

Was wir da sehen, sind die ersten zarten Blüten einer Telekommunikationsrevolution: Die Portale träumen davon, ein Stück von der Ferngesprächs-Torte abzuschneiden, die bisher traditionelle Telefongesellschaften unter sich aufteilen. Astronomische Umsätze ließen sich so in ihre Kassen spülen. Experten trauen AOL beispielsweise zu, langfristig selbst Telekommunikationsriesen wie AT&T Konkurrenz zu machen.

Diese sprachfähigen Instant-Messenger-Dienste sind nur eine Geschmacksrichtung einer neuen, breiteren Entwicklung: der Internet-Telefonie. Unternehmen wie Net2Phone erlauben ihren Nutzern, von PC zu PC zu telefonieren, von PC zu herkömmlichem Telefon, oder gar Gespräche zwischen herkömmlichen Telefonen zu führen, alles via Internet. AOL hat auch hier ihren Finger in der Torte: Das Unternehmen von Steve Case hält bereits einen großen Anteil an Net2Phone und will ihn auf eine Mehrheit ausbauen.

Internet-gestützte Telefonie hat eine gute Chance, in Zukunft einen Teil des traditionellen Telefonverkehrs abzuwickeln. Der Grund: Die dafür nötige Techologie ist billiger, was auch geringere Kosten für die Nutzer bedeutet.

Internet-Telefonate sind billiger als die 124 Jahre alte Telefontechnik, weil das Internet das Gespräch durch jene Leitungen schickt, die gerade frei sind. Telefongespräche brauchen keine eigenen, „dedizierten“ Leitungen mehr. Auch sind Internet-Router, jene Schalter, die den Datenverkehr durch das Netz navigieren, viel billiger als jene für das Telefonnetz: Sie kosten nur einige zehntausend Dollar statt Millionen. Das Resultat: Ferngespräche per Internet kosten nur rund ein Viertel eines normalen Ferngesprächs.

Internet-Telefonie ist nicht nur billiger, sondern kann auch mehr. Einfachere und billigere Telefonkonferenzen sind nur der Anfang. Die ersten Websites bieten Live-Kundenbetreuung per Sprache an (bisher brechen Web-Nutzer 80% aller Transaktionen in Online-Läden ab, und eine Sprechverbindung zwischen Kunde und Website-Verkäufer könnte das ändern, siehe Drei von vier Kunden lassen ihre Einkaufswagen stehen – hilft Live-Kundenberatung?). Voyant Technologies will bald Telefongespräche für Palm-Handrechner anbieten, die über drahtlosen Internetzugang verfügen. Ein Traum wird wahr: Der Handrechner schluckt das Handy, und Telefonnummern lassen sich per Klick im Adressbuch wählen. Und es ist nur eine Frage der Zeit, bis schnelle Internet-Breitbandverbindungen billige Videotelefonie und Videokonferenzen ermöglichen.

Viel Geld wird auch stecken in dem Bemühen der traditionellen Telefongesellschaften, ihre alte Telefontechnik mit der billigeren und flexibleren Internet-Technologie zu ersetzen. Sie nutzen einfach Internet-Protokolle und Internet-Hardware für die interne Sprachdatenübertragung, um Geld zu sparen. Diese Variante der Entwicklung nennt sich IP-Telefonie (nach dem Kürzel IP für Internet Protocol). Telefongesellschaften wie AT&T investieren Milliarden in diese Umstellung.

Noch bleibt viel Arbeit zu tun: Obwohl die Entwickler die Klanggüte der Sprachübertragung erheblich verbessert haben, klingt die Stimme des Gesprächspartners bisweilen noch so, als ob sie aus der Kloschüssel käme. Wenn Sie den Hörer Ihres normalen Telefons abheben und eine Nummer wählen, kommt die Verbindung in 99,999 Prozent aller Fälle zu Stande (von Besetztzeichen mal abgesehen). Und selbst wenn der Strom ausfällt, können Sie immer noch telefonieren, weil das Telefonsystem eine eigene Stromversorgung hat. Das Internet dagegen bricht heute noch regelmäßig zusammen, und bei einem Stromausfall fällt auch das Internet aus.

Und obwohl mehr unserer Telefongespräche in Zukunft per Internet abgewickelt werden werden (oft, ohne dass wir dies wissen), wird Internet-Telefonie herkömmlichen Telefongesprächen den Rang nicht kurzfristig ablaufen: Die Marktforscher von Probe Research sagen voraus, dass selbst im Jahr 2010 5,7 Billionen Telefongesprächsminuten über traditionelle Leitungen übertragen werden, im Vergleich zu nur 3 Milliarden über das Internet -- das sind gerade mal 0,5 Promille. 

Das Letzte!

Frauen sind eben einfach kommunikativer als Männer, auch auf dem Internet: Eine Untersuchung des Pew Research Centers hat jetzt ergeben, das sich für 71 Prozent der Frauen mit der Nutzung von E-Mail die Kontakte zu Verwandten und Freunden verbessert haben – aber nur für 61% der Männer. Hamwa’s doch gewusst!

San Francisco, den 30. April 2000

Ihr

           

Zurück zur Übersicht.

Erste Seite | Vorige Seite | Folgende Seite | Letzte Seite


Copyright © 1999 - 2000 Karsten Weide und Bright Heads PR & Marketing Consulting GmbH.  Alle Rechte vorbehalten. 
Schicken Sie Tadel, Lob und Verbesserungsvorschläge bitte an sfreport@sfreport.com
Die SF-Newsletter-Mailingliste hält Sie auf dem Laufenden über die Web-Industrie. 
Abo per Mail an:  sfnliste_abo@sfreport.com - gratis.