Im Auftrag von



Februar 2000

·  Israels “Silicon Wadi”: Das gelobte Land
·  Elektronische Brieftaschen, zweiter Versuch
·  Die Rückkehr des Milchmanns
·  Das Letzte!

Inhalt

  San Francisco Newsletter
·  Aktuelle Ausgabe
(September - Dezember 2000)
·  Juli/August 2000
·  Juni 2000
·  Mai 2000
·  April 2000
·  März 2000
·  Februar 2000
·  Januar 2000
·  Dezember 1999
·  November 1999
·  Oktober 1999 
·  September 1999 
·  August 1999 
·  Juli 1999 

·  San Francisco Newsletter- Mailingliste! Gratis!
·  Über den San Francisco Report

 

Erste Seite | Vorige Seite | Folgende Seite | Letzte Seite

Die Rückkehr des Milchmanns

Nach dem Bügeln und dem Abwasch ist der Lebensmitteleinkauf vermutlich die undankbarste und langweiligste Aufgabe, die ein Mensch überhaupt haben kann: Es kostet Zeit und Nerven, sich durch den Verkehr zum Supermarkt durchzuschlagen, einen Parkplatz zu suchen, alle Waren zusammenzusuchen -- und sich am Ende noch von der unfreundlichen Verkäuferin dafür anraunzen zu lassen, dass man etwas von ihr kaufen will. 

Das alles könnte bald der Vergangenheit angehören: Eine Reihe neuer Unternehmen in den Vereinigten Staaten versuchen jetzt, Lebensmittel und anderes mehr online zu verkaufen – und dann per Lieferwagen an der Haustür abzuliefern.  

Das könnte die Einkaufsgewohnheiten und -Erwartungen der Internetnutzer umkrempeln – und die Unternehmer, die diesen Markt angreifen, reich machen. In den Vereinigten Staaten soll nach Expertenschätzung in einigen Jahren der jährliche Umsatz allein an Lebensmitteln, die online verkauft werden, 10 Milliarden Dollar überschreiten. 

Die beiden größten Online-Supermärkte sind Webvan.com und Peapod.com. Beide erlauben dem Kunden, auf ihrer jeweiligen Website per Kreditkarte alles von der Milchtüte bis zum Brotlaib zu kaufen, und zwar zu normalen Supermarktpreisen. Hat man alle Waren in seinem elektronischen Warenkorb, wählt man noch einen Liefertermin aus, und ein Laster des jeweiligen Unternehmens bringt die Waren direkt an die Haustür.  

Der Webvan-Fahrer beispielsweise liefert innerhalb eines gewünschten Halbstundenabschnitts (zum Beispiel zwischen 16.00 und 16.30 Uhr), an sieben Tagen in der Woche, von 8 Uhr morgens bis 10 Uhr abends. Kommt der Fahrer nicht pünktlich, gibt’s eine 3-Dollar-Gutschrift. Doch nur 2% der Lieferungen kommen noch zu spät, sagt das Unternehmen. Im Juni vergangenen Jahres lag der Wert noch bei 12%. Moderne Routenplanungs-Software, eine einwöchige Schulung für jeden Fahrer und ein mittlerweile eingespieltes Team haben’s möglich gemacht.  

Die Geschäftsidee klingt gut – aber kann man damit auch Geld verdienen? Warum soll die Wiederkehr des Milchmanns funktionieren, wenn der in der Offline-Welt schon lange ausgestorben ist? Der Milchmann hatte den Kostenvorteil, dass er buchstäblich an jedem Haus hielt, was die Grundkosten für die Lieferung auf so viele Kunden umlegte, dass sie nicht mehr ins Gewicht fielen.  

Das ist auch der Grund, warum Speditionsdienste wie Federal Express und UPS sich bisher so weit wie möglich zurückgehalten haben, wenn es um die Lieferung an Privathaushalte ging: Sie halten eben nicht an jedem Haus. Die Gewinnmarge pro Paket ist klein. Zwischen einzelnen privaten Empfängern können mehrere Kilometer, viel Fahrerei und Zeit liegen – und das geht ins Geld. Muss der Bote obendrein mehrfach anfahren, weil der Addressat nicht zu Hause ist, gibt’s gar keinen Profit mehr. Botendienste erwirtschaften erst dann Gewinne, wenn mehrere Pakete an die gleiche Adresse gehen – wie dies bei Unternehmenskunden der Fall ist.  

Beobachter schätzen, dass eine Lieferung die neuen Milchmann.coms bis zu 20 Dollar kosten kann (bei einem Stundenlohn für den Fahrer von rund 14 Dollar) – und weniger, je mehr Lieferungen der Fahrer pro Tour vornehmen kann. Damit das noch proftabel funktioniert, müssen folgende Bedingungen erfüllt sein: 

  • ein Fahrer muss 12 – 25 Kunden pro Tag beliefern;
  • der durchschnittliche Bestellwert muss rund 100 Dollar betragen. Der durchschnittliche Wocheinkauf der statistisch normalen eineinhalbköpfigen deutschen Familie dürfte etwa die Hälfte kosten. Webvan hat bisher erst einen einen Durchschnittswert von 75 Dollar erreicht, allerdings steigt dieser Wert.
  • die Brutto-Gewinnmargen müssen 25 – 30% über dem Einkaufswert der Waren liegen.

Wie soll dies in einer Branche funktionieren, die für ihre kleinen Gewinnspannen berüchtigt ist? Die Neugründungen behaupten, dass sie nach der Startup-Phase gewinnbringend arbeiten können. Die nötigen hohen Margen wollen sie dadurch erreichen, dass sie keine Supermärkte betreiben müssen. Hocheffiziente Hightech-Lager in unmittelbarer Nähe zu den Kundenbezirken sollen die Kosten weiter senken.  

Das Letzte!

Schon vor einiger Zeit habe ich davon berichtet, dass Kalifornien - genauer gesagt, der Landkreis Santa Clara - nach Alaska den höchsten Bevölkerungsanteil an Singles in den Vereinigten Staaten hat. Was ich vergessen habe, hinzuzufügen, hat jetzt Women.com ergänzt: Viele der Singles sind Männer, reich und Junggesellen. Das Online-Frauenmagazin hat eine Liste der zehn heiratsfähigsten Junggesellen vorgestellt. Danke, Women.com!  

San Francisco, 26. Februar 2000 

Ihr 

            Karsten Weide

Unsere Mailinglist erinnert Sie jedesmal, wenn die neueste Ausgabe des San Francisco Newsletters online erscheint. Schicken Sie einfach eine leere Mail an sfnliste_abo@sfreport.com

Haben Sie Kritik, Anregungen oder Fragen? Sie erreichen mich unter sfnewsletter@sfreport.com.

 

Erste Seite | Vorige Seite | Folgende Seite | Letzte Seite


Copyright © 1999 - 2000 Karsten Weide und Bright Heads PR & Marketing Consulting GmbH.  Alle Rechte vorbehalten. 
Schicken Sie Tadel, Lob und Verbesserungsvorschläge bitte an sfreport@sfreport.com
Die SF-Newsletter-Mailingliste hält Sie auf dem Laufenden über die Web-Industrie. 
Abo per Mail an:  sfnliste_abo@sfreport.com - gratis.