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September 1999

Office-Anwendungen vom Web: leicht zu steuern, immer aktuell, kostenlos 

Risikokapitalist werden, ohne reich zu sein?

E-Services: Online-Shopping jenseits
des einfachen Web-Katalogs

Internet-Aktien: Erholung nach Kursstürzen im Juli

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Office-Anwendungen vom Web: leicht zu steuern, immer aktuell, kostenlos? 

Stellen Sie sich vor, Ihre Textverarbeitung, Ihr Rechenblatt, Ihre E-Mail und all Ihre anderen Anwendungen würden nicht mehr auf Ihrem PC laufen. Stattdessen würden Sie sie bei Bedarf einfach vom Web laden. Sie würden diese Programme in Ihrem Web-Browser wie ganz gewöhnliche Web-Sites nutzen. Endlich wären alle Anwendungen in einer Benutzeroberfläche zusammengefasst, mit einheitlichem Aussehen, einheitlich zu steuern, und auch der Datenaustausch wäre einfacher als bisher.

Zweitens würden Ihre Anwendungen nicht nur auf Ihrem Windows-PC laufen, sondern auf jedem beliebigen Gerät, das Web-Seiten darstellen kann. Das gälte für Rechner mit anderen Betriebssystemen wie Linux, OS/2 oder den Macintosh. Aber mehr noch: In ein bis zwei Jahren könnten Sie Ihre Office-Anwendungen beispielsweise auf Ihrem drahtlosen Notepad mit Internetzugang nutzen. (Zukünftig werden sogenannte Web-Appliances die Hauptzugangsmittel zum Web sein.)

Obendrein wären Ihr Web-Office-Paket jederzeit auf dem neuesten Stand. Die Entwickler der Web-Anwendungen würden Erweiterungen und Berichtigungen der Software auf dem Server vornehmen, der die Programme bereithält. Die Nutzer würden automatisch immer die jüngste Ausgabe vom Web laden. Nie wieder müssten die Anwender Updates umständlich vom Web laden und einrichten – nur um festzustellen, dass die Ingenieure zwar einen Programmfehler behoben haben, dafür aber drei neue eingebaut haben.

Und das beste habe ich für den Schluss aufgehoben: Die Anwendungen wären kostenlos. Pro Arbeitsplatz würden Sie rund 1000 Mark für Anwendungssoftware sparen.

Ein schöner Traum? Wenn es nach Sun Microsystems geht, könnte dieser wet dream jedes Anwenders und Systemverwalters schon bald Wirklichkeit sein. Denn genau das will das Unternehmen schon im Oktober in einer Vorversion auf dem Web anbieten.

Sun hat Ende August den Hamburger Software-Hersteller Star Division gekauft. StarDivision entwickelt und vertreibt StarOffice, eine Software-Sammlung aus Textverarbeitung, Rechenblatt, E-Mail-Programm, Präsentationsprogramm und weiteren Anwendungen. StarOffice enthält, was auch der bisher einsame Marktführer Microsoft Office anbietet. Auch anderweitig ist das Produkt der Hamburger weitgehend identisch mit Microsoft Office: Es lässt sich fast genau so steuern wie dieses und unterstützt auch dessen Dateiformate. Winword-Dokumente zum Beispiel lassen sich ohne Schwierigkeit in StarOffice verwenden.

Unmittelbar, nachdem Sun StarDivision erworben hat, hat das Unternehmen angekündigt, dass eine web-basierte Version von StarOffice, StarPortal, schon bald verfügbar sein werde. Sun plant, die Anwendungen nicht nur auf eigenen Servern anzubieten, sondern auch auf Portalen anderer Unternehmen.

In einem ersten Schritt hat Sun begonnen, die herkömmlichen Ausgaben von StarOffice für die Betriebssysteme Windows 98/NT, Linux sowie OS/2 gratis an private und professionelle Nutzer abzugeben. Lediglich für Service und Support will Sun Geld verlangen (ähnlich dem Redhat-Linux-Businessmodell). Mit einer schnellen Internet-Verbindung können Sie StarOffice hier und jetzt vom Web laden (das vollständige Paket hat eine Größe von immerhin 65 Megabyte).

Für manche Anwendungen sind web-basierte Ausgaben bereits ein Riesen-Erfolg. Beispiele sind:

Sie sind zwar noch krude und bieten nicht die Funktionalität herkömmlicher Anwendungen, sind aber trotzdem äusserst populär – der Bedarf ist da.

Suns Schachzug könnte die Software-Industrie auf den Kopf stellen: Sollte er einen Run von Entwicklern und Nutzern auf internet-gestützte Office-Anwendungen auslösen, könnte dies Microsoft bedrängen. Das Unternehmen von Bill Gates, des reichsten Erpels der Welt, soll rund 40 Prozent seines Umsatzes mit Anwendungssoftware erzeugen. Scheinheilig beteuerte Sun-Präsident Ed Zander zwar, dass man diesen Schritt nicht unternommen habe, um Microsoft zu schaden. Man wolle lediglich Suns Position stärken und das Internet einen Schritt voranbringen. Sicher sieht Sun ihren Lebenszweck nicht ausschließlich darin, Microsoft auf den Schlips zu treten. Sun wird dadurch von StarPortal profitieren, dass sie mehr Web-Server absetzen kann. Doch in Wirklichkeit hofft Sun selbstverständlich auch, dass StarPortal der Pfahl in Microsofts Brust sein wird.

Ob das wirklich geschehen wird, bleibt abzuwarten. Das Wall Street Journal zitierte einen Microsoft-Manager: Suns Schritt werde “keinen Einfluß” auf die Produktstrategie des Unternehmens haben.

Die größte Hürde für den Erfolg von StarPortal ist die noch mangelnde Geschwindigkeit, mit der das Internet Daten überträgt. Wer StarPortal nutzen will, muss jedesmal zunächst ein sogenanntes Applet (ein Mini-Programm) in der Sun-eigenen Java-Programmiersprache auf seinen Rechner laden. Mit einem 56K-Modem dauert das mehr als eine Minute, zwei Minuten sogar mit einem 28-8er Modem. Mit den neuen schnellen ADSL- und Kabel-Verbindungen, die zunehmend auch für Privatanwender verfügbar sein werden, wird dies aber kein Problem mehr sein.

Immerhin muss der Nutzer bei StarPortal lediglich ein Java-Applet laden. Der Rest der Software läuft auf dem Anwendungs-Server des Anbieters. Alle bisherigen Versuche, web-basierte Office-Anwendungen zu popularisieren, waren daran gescheitert, dass die Benutzer die gesamte Anwendung als Java-Applets auf ihre Maschine laden mussten. Dafür war und ist das Internet noch zu langsam. Das kanadische Unternehmen Corel, das WordPerfect entwickelt und vertreibt, hate versucht, eine reine Java-Office-Suite zu entwickeln – und hatte das Projekt bald wieder aufgegeben. Lotus hatte ein ähnliches Produkt angekündigt – es erblickte nie das Licht der Welt.

Das einzige bestehende Java-Office-Paket ist Applix’ Anywhere Office. Es gilt zwar als technisch faszinierend, aber auch als Übung mit wenig praktischem Nährwert. Ein Test des Schweden Tobias Öbrink soll hier nur als ein Beispiel dienen. Er hatte festgestellt, dass Anywhere Office alles konnte, was ein herkömmliches Office-Paket kann, aber zu langsam und fehlerhaft war.

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Risikokapitalist werden, 
ohne reich zu sein?

Wäre es nicht toll, ein “Angel Investor” zu sein? Ein finanzieller Engel, der jungen Firmen mit Geld auf die Beine hilft und dafür einen Firmenanteil erhält, den er später mit einem erheblichen Gewinn wieder abstoßen kann? 

Was sagen Sie? Die Risikobereitschaft wäre schon da? Nur mit den nötigen Millionen hapert es ein wenig?

Dem Menschen kann geholfen werden: Neue Risiko-Kapital- Gesellschaften wie Garage.com und OffRoad Capital ermöglichen es auch den Nur-Wohlhabenden, Angels zu werden. Deren neues Konzept erlaubt es mehr Anlegern als zuvor, Geld in Hightech-Startups anzulegen. Die mögliche Rendite ist gewaltig – aber auch das Risiko. Angel-Investments in Startups sind noch gefährlicher als selbst eine Aktienanlage in eine glühendheiße Dot-Com-Internetfirma.

So funktionierts: Ein zukünftiger Hightech-Investor meldet sich bei einem der genannten Unternehmen an. Dazu muss er unter anderem nachweisen, dass er ein sogenannter “accredited investor” nach den Standards der Securities & Exchange Comission ist (die SEC ist die US-amerikanischen Börsenaufsicht). Er ist qualifiziert, falls seine Familie über ein Vermögen von mehr als einer Millionen Dollar (einschließlich eventuell vorhandenen Immobilienbesitzes) verfügt oder das gemeinsame Jahreseinkommen mindestens drei Jahre in Folge über 300.000 Dollar liegt.

Selbst mit diesen recht strengen Vorgaben könnten die neuen VC-Gesellschaften vieles ändern: Nach Angaben der Federal Reserve (der Bundesbank der Vereinigten Staaten), gibt es zirka 5,7 Millionen Haushalte in den USA, deren Vermögen 1 Million Dollar oder mehr beträgt. Sie entsprechen nur fünf Prozent der US-Haushalte, besitzen aber 66 Prozent des nationalen Vermögens – und konnten doch bisher nicht in Hightech-Startups investieren.

Aber die angehenden Hightech-VCs müssen auch ein persönliches Profil ausfüllen: Business-Erfahrung ist erwünscht. Denn im Venture-Capital-Geschäft ist es nicht damit getan, nur Geld in ein Startup zu pumpen. Junge Firmen brauchen auch Management-Beratung und Kontakte. Die richtigen Connections sorgen dafür, dass eine junge Firma die richtigen Manager einstellen kann sowie die lohnendsten Partnerschaften schließen kann.

Sind sowohl die Finanzen als auch die Erfahrung des Anlegers in Ordnung, kann dieser sich als Mitglied der Gesellschaften eintragen. Er zahlt den Geldbetrag, den er anlegen will, an eine Treuhänderbank. Der Betrag liegt bei OffRoad Capital bei 25.000 US-Dollar und bei Garage.com bei 50.000 US-Dollar. Die entsprechende VC-Firma stellt dem Anleger dann Startups vor. Treffen mit den Top-Managern des neuen Unternehmens ermöglichen es den angehende Engeln, sich ein Bild von den Chancen und Risiken eines Startups zu machen.

Wenn der Anleger in eine Firma investiert, verwaltet der Treuhänder die Anteile, die der Engel damit erworben hat, in einem Depot. Alle Vierteljahre gibt es Geschäftsberichte. Bei Garage.com haben neu registrierte Anleger 90 Tage Zeit, um sich für eines der Startups zu entscheiden, anschließend wird eine Mitgliedschaftsgebühr von 1000 Dollar pro Jahr fällig. Wiederum liegt die Hürde bei OffRoad Capital niedriger: Die Firma verlangt 1000 Dollar Mitgliedschaftsgebühr für das erste Jahr und 250 Dollar für jedes folgende.

Garage.com hat ihre Büros in Palo Alto, mitten im Herzen des Silicon Valley. Mitgründer und Geschäftsführer ist Guy Kawasaki, ein berühmter ehemaliger Apple-Evangelist, der Computernutzern die Vorzüge des Macintosh-Computers nahebringen sollte. Weiterer Mitgründer: die Microsoft Corporation. Im Mai hatte garage.com Ihre Website gestartet, und schon jetzt hat sie 25 Startups finanziert, jeweils mit einem Betrag von durchschnittlich rund 2,2 Millionen Dollar.

Etwas weiter im Norden, in San Francisco, sitzt OffRoad Capital. Ihre Website ist seit März live. Laut Geschäftsführer Stephen Pelletier hat das Unternehmen schon 1000 Anleger aus 48 US-Bundesstaaten rekrutieren können. Die Firma schätzt, das bis zu 2 Billionen Dollar an potentiellem Marktwert allein in den Vereinigten Staaten brach liegen, weil die entsprechenden Firmen einerseits zu klein für einen Börsengang sind, andererseits zu kapitalintensiv sind, als dass allein Freunde und die Familie sie finanzieren könnten.

Für junge Firmen, die Kapitalgeber suchen, sind die neuen Riskokapital-Vermittler ganz gewöhnliche VC-Firmen: Sie müssen sich mit einem Business-Plan an sie wenden, der ihre Geschäftsidee beschreibt. Garage.com hatte zum Beispiel bis Juni diesen Jahres 4600 Businesspläne von Startups erhalten. Doch lediglich 25 oder ein halbes Prozent wählte die VC-Gesellschaft als Klienten aus. Diese Unternehmensküken nahm Garage.com dann unter ihre Fittiche. So erhalten die Startups beispielsweise Hilfe, um ihren Businessplan so auszufeilen, dass er Fuß und Hand hat.

So sind sowohl die Startups als auch die Investoren zufrieden. Doch wovon leben die neuen VC-Gesellschaften? Ganz einfach: Garage.com zum Beispiel kauft sich mit 3 – 5% in jedes Startup ein, welches das Unternehmen betreut – und erhält so einen entsprechenden Anteil an dem Kapital, das die Engel aufgebracht haben. Darüber hinaus verlangen beide VC-Unternehmen Investment-Bankgebühren von ihren Startups sowie die bereits erwähnten Gebühren von den Engel-Anlegern.

Auch Nicht-US-Staatsbürger können übrigens Mitglied werden – allerdings müssen sie in den Vereinigten Staaten leben. Sieht so aus, als müssten Europäer noch ein wenig warten, bis ein unternehmerischer Geist sich der Idee in der Alten Welt annimmt.

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E-Services: Online-Shopping jenseits
des einfachen Web-Katalogs

Viele Unternehmen meinen, dass eine Web-Präsenz und ein einfacher Online-Laden genügen, um auf dem Internet Geld zu verdienen. Doch wird dies in Zukunft genügen, um Kunden zu werben, und noch wichtiger, sie auch zu halten? Schließlich ist der Wettbewerb nur einen Mausklick entfernt. Nur der wird überleben, der die größte Produktpalette zu den günstigsten Preisen anbietet und obendrein den besten Service bereithält. Auch für die Kunden wird es schwieriger, das richtige Angebot zu finden: Pro Stunde werden rund 6500 neue Sites auf dem World Wide Web veröffentlicht – wer soll das noch überblicken?

Doch eine neue Technologie könnte dem E-Commerce helfen, das Stadium des reinen elektronischen Katalogs zu überwinden – und das neue Medium Internet angemessen zu nutzen.

Ausgerechnet Hewlett Packard, bislang kaum vertreten in der Ruhmeshalle des Internets, stellte Mitte August auf der "HP World" in San Francisco Details des neuen Konzepts E-Services vor. Ziel der HP-Strategen: Unternehmen müssen miteinander kommunizieren, um den Kunden den besten Service anzubieten. Käufer können mit dem neuen System statt einem "Do-it-Yourself" ein "Do-it-for-Me" erwarten. Ein Software-Agent namens Electronic Service Broker (ESB) soll für den Nutzer den besten Dienst finden, so dass der nicht mehr lange danach suchen muss. Der Anwender schickt eine Beschreibung des gewünschten Dienstes an einen ESB. Unter den e-service-fähigen E-Commerce-Anbietern, der beim ESB angemeldet sind, sucht dieser die passenden heraus und meldet diese dem Benutzer. Der Kunde entscheidet sich für einen Service, kauft beziehungsweise bucht das gewünschte Produkt, und der Broker kümmert sich um die Abrechnung. Dabei kann der Broker mehrere Aufgaben gleichzeitig erledigen und den Benutzer per Web, Handy oder Pager auf dem Laufenden halten. Daraus ergeben sich pfiffige neue Möglichkeiten, mehrere Dienstleistungen zu einem Super-E-Service zu verbinden.

Ein Beispiel dafür ist die Reiseplanung auf dem Web: Bisher muß man sich seine Reise auf verschiedenen Websites zusammenstellen. Die eine Website bietet den günstigsten Flug an, über eine andere bucht man das Hotel, und der Leihwagen wird wieder woanders geordert. Das ist langwierig und unbequem und hat schon so manchen Nutzer zur Verzweiflung gebracht.

Anders bei e-service-fähigen Angeboten: Der Electronic Services Broker stellt die günstigste Kombination für die Reisewünsche des Kunden selbsttätig zusammen, ohne das der Kunde von Site zu Site hecheln muss. Und mehr noch: Die E-Services stimmen sich miteinander ab, um die beste Dienstleistung für den Kunden zu bieten. Verspätet sich zum Beispiel die Abflugzeit eines Flugzeuges, buchen die E-Services den Nutzer automatisch auf eine andere Flugverbindung um; das bestellte Taxi am Zielflughafen bestellen sie für eine spätere Zeit oder mieten statt dessen einen Leihwagen; das Hotel benachrichtigen sie über die Verspätung des Gastes.

Laut HP soll jeder bisher bestehende E-Commerce-Service ohne weiteres in einen E-Service umgewandelt werden können. Einfach zu nutzende Entwicklungstools sollen es möglich machen. Die Kommunikation zwischen den E-Services soll der neue Standard E-Speak ermöglichen: Per XML können sich E-Services miteinander abstimmen. (XML ist der Nachfolger des HTML-Kodes, der Webseiten beschreibt.) Sollte sich E-Speak als offener Standard durchsetzen, hätte dies weitreichende Folgen für E-Commerce-Unternehmen. Bereits bestehende E-Commerce-Firmen könnten sich als E-Service durch bessere Dienstleistungen von anderen Unternehmen auf dem Web abheben. Zudem könnten sie ohne zusätzliche Kosten neue Kunden gewinnen – vorausgesetzt, sie haben das beste Angebot. Für Neueinsteiger bietet sich die Chance, verschiedene E-Commerce-Lösungen zu einem unabhängigen E-Service zusammen zu schnüren und in einem sogenannten "Vortal" zu bündeln, einem "vertikalen Portal".

Völlig selbstlos puscht HP die E-Speak-Technologie selbstverständlich nicht. HP will sich als "Internet-Unternehmen" etablieren und -- Webserver verkaufen. Schliesslich ist HP in erster Linie eine Hardware-Firma. Trotzdem lassen sich wohl ähnliche oder ergänzende Standards in E-Speak einfügen. Die wichtigsten sind Biztalk von Microsoft, das ICE (Internet Content Exchange-Protocol) des W3C (World Wide Web Consortium) und Jini der Sun-Netscape-Allianz. Noch im dritten Quartal dieses Jahres will HP ein "Service Development Tool" vorstellen, im vierten Quartal sollen dann weitere Entwicklungsprogramme erscheinen. Rajiv Gupta, Entwickler von E-Speak, glaubt, dass Mitte des nächstes Jahres schon mehr als 200 E-Services auf dem Web zu finden sein werden.

Reiner Gaertner

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Internet-Aktien: Erholung nach Kursstürzen im Juli, langsamer Sommer geht Ende entgegen

Die Kurse von Internet-Aktien erholten sich im August, nachdem diese im Juli stark gefallen waren. Nach der langsamen Kernschmelze, welche die Internet-Aktien seit Mitte April erlebt hatten, hatte es eine kurze Erholung im Juni gegeben. Doch dann hatten die Anleger den Sektor im Juni noch einmal so richtig in den Keller geschickt (siehe San Francisco Newsletter Ausgabe August).

Im August fragten die Investoren Web-Unternehmen dagegen wieder stärker nach: Der Internet-Index der American Stock Exchange erlebte sein Tief Anfang August mit rund 255 Punkten. In den folgenden vier Wochen bis zum Redaktionsschluss stieg er um rund 40 Punkte oder knapp 15 Prozent auf 292 Punkte (Stand 1. September, Infos zur Zusammensetzung des Index finden Sie hier). Gleichzeitig stieg der Index der Nasdaq-Werte, der auch Nicht-Internet-Werte enthält, von 2540 auf 2751 Punkte oder gut 8 Prozent.

Sehen wir uns näher an, um wieviel sich die wichtigsten Internetfirmen im August erholt haben. Dazu vergleichen wir zwei Werte: Um wieviel Prozent lag ihr Kurs Anfang August unter dem dem Aktienhoch vom April, und um wieviel Prozent lag ihr Kurs Anfang September noch unter dem April-Hoch. Wir ziehen den zweiten Wert vom ersten Wert ab, und die Differenz gibt uns in Prozentpunkten einen Eindruck davon, wie stark die Werte sich im August erholt haben.

Ein Beispiel: E-Bay lag Anfang August noch 64% unter seinem Höchstkurs von Mitte April. Anfang September lag der Kurs des Unternehmens nur noch 48% unter dem Wert des April-Hochs. Die E-Bay-Aktie hat also im August 16 Prozentpunkte des Verlusts gut gemacht.

  • Die zu den größten Verlierern des Juli zählenden E-Commerce-Unternehmen erholten sich am meisten. E-Bay verringerte den Verlust, den die Gesellschaft seit Mitte April bis Anfang August erlitten hatte, um 16 Prozentpunkte (jetzt noch 48% unter dem April-Hoch statt 64% Anfang August). Amazon machte 12 Prozentpunkte gut, E-Toys knapp 9.
  • Gleiches galt hingegen nicht für die schwer gebeutelten Online-Broker. Diese litten weiter darunter, dass die Zahl der Transaktionen im Online-Aktienhandel im Sommer flau war. Ihre Kurse konnten nur wenig zulegen: Schwab baute nur knapp 2 Prozentpunkte ab von dem Verlust, den das Unternehmen zwischen April und August verloren hatte, E-Trade verlor ebenso wie Ameritrade gar einen weiteren Prozentpunkt.
  • Die Technikwerte waren die zweite Gruppe von Gewinnern. Cisco legte 11 Prozentpunkte zu und erreichte fast den Wert des April-Hochs. Auch Doubleclick gewann 11 Prozentpunkte zu. Sun legte im August 10 Prozentpunkte zu und stellte das April-Hoch gar ein. Real Networks und Microsoft stiegen jeweils um 8 Prozentpunkte zu, Inktomi und IBM je 6 Prozentpunkte.
  • Recht ordentlich legten die Kurse zweier Portale zu. Lycos baute 8 Prozentpunkte des Verlusts ab, Yahoo! gewann 7 Prozentpunkte.
  • Weiter verloren dagegen Infoseek (-5 Prozentpunkte), AtHome (-5), AT&T (-6), MCI Worldcom (-7).

In der Ausgabe vom August habe ich einige Aktiengesellschaften herausgesucht, bei denen sich eine Anlage lohnen könnte. Nehmen wir an, dass wir in jede AG je 1000 Euro angelegt haben und sehen wir uns an, wie diese Aktien abgeschnitten haben:

Portfolio San Francisco Newsletter 

Firma

Kurs 3.8.1

Stück

Bezahlt, Euro

Kurs, 1.9. 1

Wert

Gewinn/ Verlust

3Com

22,50

44

990,00

23,20

1020,80

30,80

AT&T

48,80

20

976,00

43,20

864,00

-112,00

IBM

113,00

8

904,00

119,10

952,80

48,80

Oracle

35,30

28

988,40

35,30

988,40

0,00

Summe

 

 

3548,40

 

3826,00

-32,40

1 Frankfurt am Main, Euro.

Der Wert des Portfolios hat also ein knappes Prozent verloren. Die weniger schwankungsempfindlichen Technikwerte haben also weniger als die “reinen”, volatileren Internetwerte vom August profitiert. Wir werden dieses Portfolio auch in Zukunft verfolgen und sehen, wie es abschneidet.

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Das Letzte!

Wer kürzlich Geld in Internet-Werten angelegt und dabei verloren hat, muss an anderen Stellen sparen. Der San Francisco Newsletter hilft mit einem Tip: Wenn Sie das nächstemal für eine Geschäftsreise in Deutschland einen Mietwagen buchen müssen, buchen Sie ihn über eine US-amerikanische Website (etwa bei Yahoo! Travel). Sie sparen eine Menge Geld.

Den billigstmöglichen Mietwagen für einen Tag in München zu mieten, kostet beispielsweise über Yahoo! Travel 31,45 Mark (17 Dollar), aber auf Yahoo! Reisen 65 Mark und bei Travel Overland gar 129 Mark. Beide Yahoos haben als bestes Angebot einen Wagen von Sixt. Bei Sixt Deutschland selbst kostet der Wagen 72 Mark. Ersparnis: 52 Prozent.

Für eine Woche sieht das obige Rechenexempel so aus: Yahoo! Travel 122,10 Mark (66 Dollar), aber auf Yahoo! Reisen 455 Mark und bei Travel Overland 429 Mark. Wiederum ist auf beiden Yahoo!-Reisewebsites Sixt der günstigste Anbieter. Bei Sixt Deutschland selbst kostet der Wagen 533 Mark. Ersparnis: 72 Prozent.

Es funktioniert – ich hab’s selbst ausprobiert.

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San Francisco, 2. September 1999

Ihr

           

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Nota bene: Weder ich noch die Brightheads PR & Marketing Consulting GmbH haften, falls Sie aufgrund der o. a. Informationen Aktien kaufen oder verkaufen und dabei Geld verlieren sollten. Geld in Aktien anzulegen, ist risikoreich. Noch riskanter ist es, Geld in Internet-Aktien anzulegen. Sie müssen damit rechnen, Ihr gesamtes Investment in Internetaktien zu verlieren. Aktienanlage sollte langfristig betrieben werden


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