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August 1999

Drahtloses Internet und der Tod des PC

E-Commerce mit Kleidung, Spielzeug und -- Möbeln?!

Internet lässt Wirtschaft wachsen, schafft Arbeitsplätze

Internet-Aktien: Juli schlechtester Monat seit August-Crash 

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Internet lässt Wirtschaft wachsen, schafft Arbeitsplätze -- nur nicht in Deutschland

Das US Department of Commerce hat kürzlich in einer Studie mit dem Titel “The Emerging Digital Economy II” herausgefunden, dass schreibe und sage 29 Prozent des gesamten Wirtschaftswachstums der Vereinigten Staaten im Jahre 1998 auf Unternehmen zurückzuführen ist, die in der Informationstechnologie- und Internet-Industrie tätig sind. Und das ist erst der Anfang: Lag der Anteil dieser Branchen am Bruttosozialprodukt der USA 1998 noch bei 7,8 Prozent, so wird er in diesem Jahr voraussichtlich bei 8,2 Prozent liegen. Und der Anteil der Arbeitnehmer, die entweder in der Informationstechnologie-Branche (IT) arbeiten oder deren Industrie IT einsetzt, ist in den USA in den vergangenen Jahren stetig gewachsen, bis auf 46 Prozent aller Arbeitnehmer. Für das Jahr 2006 rechnet die Studie mit einem Anteil von 57 Prozent aller Beschäftigten. Und das Bonbon: Die Durchschnittsgehälter in den DV-nutzenden Industrien lag 1997 um gut 12 Prozent höher als in der Gesamtwirtschaft, und in der DV-herstellenden Industrie um gut 77 Prozent höher. Und der Gehaltsvorsprung wächst: 1989 lagen die Abstände noch bei gut 11 Prozent beziehungsweise bei 55 Prozent

Hmmmm…. Sieht ganz so aus, als ob die Informationstechnologie Deutschland und Europa all das geben könnte, was diese so dringend bräuchten: Qualifizierte, gut bezahlte Arbeitsplätze und Wirtschaftswachstum, das der Natur nicht schadet. Aber sowohl im Bundeskanzleramt als auch in der Wirtschaft reibt sich der deutsche Michel noch den Schlaf aus den Augen. Denn raten Sie mal, wie oft das Wort “Internet” in Gerhard Schröders Antritts-Regierungserklärung vorkam? Stimmt, Sie haben’s erraten: null mal. Wenn Sie also dem Bundeskanzler das nächstemal begegnen, klopfen Sie doch bitte kurz bei ihm an und fragen: “Hal-lo-o! Ist jemand zu Haus?” Noch besteht jedoch Hoffnung: In des Kanzlers Regierungserklärung vom 10. November 1998 kam das Wort “Internet” immerhin zweimal vor.

In der deutschen Industrie scheint ebenso ein Bedarf an Hallo-wach!-Präparaten zu bestehen. Eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft hat ergeben, dass nur rund ein Drittel aller deutschen Firmen über einen Internet-Zugang verfügt. Zum Vergleich: In Skandinavien sind zirka 45 Prozent der Firmen an das Internet angeschlossen. Als Hauptgrund, warum die Unternehmen zögern, wurden die befürchteten hohen Kosten genannt.

Wenn auch Politik und Wirtschaft den Schlaf der Gerechten schlafen, so sind doch wenigstens die Technologie-Investitionen in Europa 1998 stark gestiegen, und zwar um mehr als 70 Prozent (Quelle: European Private Equity and Venture Capital Association (EVCA) und PricewaterhouseCoopers). Das ist das zweite Jahr in Folge mit einem Wachstum in dieser Größenordnung. Dies schließt den Rückstand Europas zu den Vereinigten Staaten: 1996 investierten US-Riskokapitalisten mehr als dreimal soviel Kapital wie ihre europäischen Pendants (5,3 Milliarden US-Dollar vs. 1,7 Milliarden). Bis Ende 1998 verdoppelte sich das Investitionsvolumen in den USA auf 10,5 Milliarden Dollar, in Europa dagegen verdreifachte es sich auf 4,5 Milliarden. Allerdings macht das europäische Hightech-Investment von Risikokapitalisten nur 28 Prozent ihres Gesamtinvestments aus, in den USA sind es dagegen 76 Prozent. Der größere Anteil der Investitionen geht in der Alten Welt also nach wie vor in alte Industrien.

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Internet-Aktien: Juli schlechtester Monat seit August-Crash -- trotzdem noch über 100 Prozent Plus seit Juli ‘98

Den schlechtesten Monat seit dem Crash vom vergangenen August haben die Internetunternehmen im Monat Juli erlebt. Zwar hatten sich ihre Kurse Anfang des Monats von den Verlusten erholt, die sie seit Mitte April erfahren hatten. Doch anschliessend ging es weiter in den Keller. Alle führenden Werte verloren stark seit den Hochs, die sie in den vergangenen Monaten erreicht hatten. Der Internet-Index der American Stock Exchange verlor seit seinem Hoch Mitte April rund 45 Prozent und fiel auf 255,90 Punkte (Stand 04.08., Infos zur Zusammensetzung finden Sie hier). Freilich legte das Internet-Segment in den vergangenen 12 Monaten trotz des Blutbads immer noch mehr als 100 Prozent zu.

  • Am stärksten betroffen waren die Online-Broker Ameritrade und E-Trade, die jeweils 66% Ihres Kurses einbüßten (seit April bzw. seit Dezember). Der Kurs des Konkurrenten Charles Schwab verlor seit April immerhin noch 51%.
  • Schlecht fuhren auch die Portale Infoseek (-66%), At Home (-51%) – jeweils seit April – und Lycos (-50% seit Ende Februar).
  • Böse traf es daneben E-Commerce-Unternehmen wie E-Bay (-64%), Amazon (-57%) und E-Toys (-55%) (jeweils nach Hochs im April). Amazon verlor besonders deshalb, weil die Anleger wegen der wachsenden Verluste des Unternehmens nervös werden. E-Bay leidet immer noch unter der Vertrauenseinbuße, die sich einstellte, nachdem die Website des Unternehmens vor kurzem mehrfach ausgefallen war und einmal sogar für einen ganzen Tag.
  • Am besten schnitten Firmen ab, welche den technischen Unterbau für das Internet liefern. AT&T, Cisco, EMC, IBM, Lucent, MCI Worldcom, Microsoft, Oracle sowie Sun Microsystems verloren lediglich zwischen 10 und 21%.

Als Gründe für die weitere Korrektur nannten Experten die Furcht vor steigenden Arbeitskosten und Zinsen (dann würde Geld aus dem Aktienmarkt abfließen und die Kurse weiter drücken) sowie die Sommerflaute an den Börsen. Aber das ist alles nur Kaffeesatzleserei: In Wirklichkeit haben die Anleger nur weiter die Überbewertung vieler Firmen berichtigt.

Auch die Börsengänge junger Firmen (IPOs, Initial Public Offerings) endeten mehr schlecht als recht. Immer mehr Internet-Neulinge buhlen um das Geld der Anleger. In diesem Jahr werden IPO-Unternehmen insgesamt etwa 12,9 Milliarden US-Dollar aufnehmen, so der Stand der Registrierungen bei der US-Börsenaufsicht SEC (Quellen: IPO Monitor und IPO Central). Doch nur ein Drittel dieses Volumens ist bisher durch bereits erfolgte Börsengänge aufgenommen worden. Weitere 8,6 Milliarden befinden sich noch in der Registrierung. Auch die IPO-Begeisterung hat sich mit der allgemeinen Marktkorrektur gelegt. Die Folge: Bis Mitte Juni wurden rund ein Drittel aller Web-IPOs unter dem Ausgabepreis gehandelt, anstatt sich in die Stratosphäre zu schwingen, so eine Studie von Thomson Financial Securities Data.

Der Markt der Internetaktien hat damit neuen Grad der Reife erlangt. Der Rausch ist vorbei, es herrscht der Katzenjammer, vernünftigeres Anlegerverhalten wird folgen. Gefragt sind nun Firmen:

  • mit Geschäftsmodellen, die sich bewiesen haben, also Umsatz erzeugen,
  • profitabel sind,
  • einen wachsenden Nutzerstamm haben
  • und viele Partnerschaften und Joint Ventures geschlossen haben.

Sehen wir uns die Finanzdaten der Top-25-Internet-Firmen an (siehe folgende Tabelle). Zu den Firmen, die per eingesetztem Investment maximalen Umsatz erzeugen, aus diesem Umsatz auch einen hohen Gewinn erzielen, die außerdem nicht überbewertet sind sowie im Crash des zweiten Quartals stark verloren haben (und somit hohe Kursgewinne erzielen könnten), gehören: 3Com, IBM, AT&T sowie Oracle. Es überrascht nicht, dass dies alles Technologiefirmen sind, die für die Infrastruktur des Webs sorgen. Warum ich ausgerechnet diese Finanzkennziffern ausgesucht habe und was sie bedeuten, lesen Sie hier.  

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Das Letzte!

Software-Gigant Microsoft kommt in dieser Aufstellung nicht sehr weit nach vorne. Doch immerhin hatte der Konzern, als der Microsoft-Kurs kürzlich die 90-Dollar-Grenze überschritt, einen Firmenwert von mehr als 500 Milliarden Dollar erreicht -- oder die Größe der belgischen Volkswirtschaft.

San Francisco, 4. August 1999

Ihr

           

Haben Sie Kritik, Anregungen oder Fragen? Sie erreichen mich unter sfnewsletter@weide.com.

 

Nota bene: Weder ich noch die Brightheads PR & Marketing Consulting GmbH haften, falls Sie aufgrund der o. a. Informationen Aktien kaufen oder verkaufen und dabei Geld verlieren sollten. Geld in Aktien anzulegen, ist risikoreich. Noch riskanter ist es, Geld in Internet-Aktien anzulegen. Sie müssen damit rechnen, Ihr gesamtes Investment in Internetaktien zu verlieren. Aktienanlage sollte langfristig betrieben werden.

 

Firma

Kurs (FfM., 03.08.), Euro

Gewinn pro investiertem Dollar, US-Cent6,7

Gewinn pro investiertem Dollar, US-Cent6,8  

Kursverlust9

KGV

3Com

22,50

4,57

0,66

-53%2

22

AT&T

48,80

4,78

0,35

-21%2

21

IBM

113,00

3,41

0,40

-14%4

29

Oracle

35,30

2,34

0,17

-10%2

43

Sun Microsystems

66,40

1,77

0,21

-10%4

57

Lucent

62,00

1,64

0,18

-18%4

61

Charles Schwab

38,00

1,59

0,11

-51%

63

EMC

58,00

1,48

0,08

-10%

68

Microsoft

80,00

1,68

0,04

-16%4

60

Cisco

58,00

0,95

0,06

-12%4

105

Ameritrade

20,00

0,71

0,07

-66%

142

AOL

83,50

0,69

0,05

-49%

146

CMGI

80,001

0,70

0,02

-50%

144

Yahoo!

119,50

0,18

0,01

-49%

569

E-Bay

80,00

0,12

0,01

-64%

847

Real Networks

67,00

-0,09

0,02

-50%

-

Inktomi

97,00

-0,50

0,01

-38%

-

E-Toys

15,30

-2,63

0,01

-55%

-

At Home

40,001

-2,31

0,01

-56%

-

Doublecklick

70,00

-0,74

0,04

-58%

-

Lycos

36,00

-1,21

0,03

-50%2

-

E-Trade

24,00

-0,89

0,08

-66%3

-

Amazon

85,50

-1,95

0,07

-57%

-

MCI Worldcom

78,20

-1,69

0,20

-14%5

-

Infoseek

34,00

-12,06%

0,06

-66%

-

1 Berlin.

2 Höchststand Februar 1999.

3 Höchststand Dezember 1998.

4 Höchststand Juli 1999.

5 Höchststand Juni 1999.

6 Vergangene zwölf Monate.

7 Gewinn-Kurs-Verhaeltnis, Gewinn pro Aktie geteilt durch Aktienkurs (Preis pro Aktie).

8 Umsatz-Kurs-Verhaeltnis, Umsatz pro Aktie geteilt durch Aktienkurs (Preis pro Aktie).

9 Prozent unter Kurshoch im April.  

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