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August 1999

Drahtloses Internet und der Tod des PC

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Drahtloses Internet und der Tod des PC

Handys sind ein riesiger Erfolg. Sie sind billig und lassen uns überall und jederzeit mit jedermann kommunizieren.

Handheld-Computer sind ein riesiger Erfolg. Sie sind billig und vereinen die Stärken des traditionellen Papierkalenders mit denen eines Computers.

Jetzt steht uns der nächste riesige Erfolg ins Haus: Handcomputer, die ihr organisatorische Talent mit den Kommunikationsfähigkeiten von Mobiltelefonen verschmelzen.

Dies sind Handheld-Computer oder Personal Digital Assistants (PDAs), die selbstverständlich einen Kalender, eine Zu-Tun-Liste und ein Adressbuch zur Verfügung halten, aber auch die Möglichkeit haben, per Handy-Telefonverbindung Daten zu senden und zu empfangen – und damit Zugang zum Internet haben. Mit diesen Geräten ist es plötzlich auch im tiefsten Schwarzwald möglich, seine E-Mail zu erledigen und das Web zu surfen. Nachrichten lesen, Aktienkurse abrufen, Aktien handeln, Bankgeschäfte erledigen, Wetterberichte abrufen, Flüge, Hotels und Mietwagen buchen, Wegbeschreibungen laden, weisse und gelbe Seiten abrufen… das alles und noch viel mehr wird mit diesen internetfähigen Handcomputern möglich sein.

Und selbst die traditionellen Handheld-Funktionen werden durch die Funkverbindung turbogeladen: zentral auf Webservern gehaltene Kalender, Telefonbücher und andere Verzeichnisse sind stets aktuell und überall abrufbar. Das leidige Abgleichen mehrerer elektronischer Datenbanken und solcher auf Papier wird entfallen, weil die Daten nur noch einmal zentral gehalten werden und über das Web (verschlüsselt, wenn nötig) auf jedem Gerät mit Internetzugang abgerufen und bearbeitet werden können.

Handrechner, besonders 3coms PalmPilot, haben im Sturm ein gewaltiges Publikum erobert. Für viele Nutzer haben sie bereits den traditionellen Papierkalender abgelöst. Mit einem US-Marktanteil von 77 Prozent nach Stückzahlen ist der PalmPilot der mit Abstand populärste Handheld-Computer.

Insgesamt werden 1999 in den Vereinigten Staaten voraussichtlich 3,9 Millionen Handrechner abgesetzt werden. Aber das ist erst das Vorspiel für eine gewaltige Absatzexplosion, die geschehen wird, wenn diese Geräte Internetzugang haben. Denn den knapp 4 Millionen Handrechnern stehen schätzungsweise 200 Millionen verkaufte Handys gegenüber. Marktforscher ziehen den Schluss, dass für internet-fähige Handcomputer das Absatzpotential irgendwo innerhalb der Handy-Absatzzahlen liegen muss.

Das Marktforschungsunternehmen Frost & Suillivan schätzt, dass 1998 knapp 2 Millionen Handrecher im Wert von rund 500 Millionen US-Dollar abgesetzt wurden. Für 1999 sieht das Unternehmen die verkaufte Stückzahl bei knapp 4 Millionen Handhelds und den Umsatz bei rund 1 Milliarde Dollar Umsatz. Das ist doppelt so viel wie im Jahr zuvor. Bis zum Jahr 2000 könnten bis zu 15 Millionen PDAs im Einsatz sein. Forrester Research sagt voraus, dass die Konsumenten im Jahr 2002 erstmals mehr Handcomputer als PCs kaufen werden. Dataquest rechnet damit, dass 2003 rund 21 Millionen Handhelds verkauft werden. Und eine Studie des UMTS-Forums (Universal Mobile Telecommunications System) sagt voraus, dass im Jahr 2015 die Mehrzahl der Internet-Nutzer mobile Datenterminals verwenden wird. Mit einem weiteren Preisverfall, schnelleren Prozessoren, besseren Displays, besseren Anwendungen und Internetzugang werden die Verkäufe stark zunehmen.

All dies wird auf mittlere Sicht den PC in den Schatten stellen. Und das ist gut so: Denn solange der PC das Hauptzugangsmedium zum Internet ist, wird das Web niemals zum Massenmedium. Der PC ist zu teuer, zu unzuverlässig, zu bedienungsunfreundlich, zu komplex und obendrein technisch weitgehend ausgereizt. Noch können sich die 3,9 Millionen Handcomputer, die in diesem Jahr in den USA verkauft werden werden, nicht mit der entsprechenden PC-Absatzziffer von 36 Millionen messen. Aber das Verhältnis ändert sich zugunsten der Handhelds. Das Wachstum des PC-Verkaufs verlangsamt sich. Wuchs es Mitte der 90er Jahre durchschnittlich noch um 35 Prozent im Jahr, so sind die Wachstumszahlen heute nur noch halb so hoch.

Und dabei war noch nicht einmal die Rede von anderen Internet-Appliances als Handrechnern, etwa Set-Top-Boxes für den Fernseher, web-fähigen Telefonen oder web-fähigen Videospielkonsolen. Das sind einfache, billige, simpel zu bedienende Geräte für den Massenmarkt. Im Gegensatz zum PC können sie nur eine Sache, die aber sehr gut. Und dann sind da noch die Dinge, die wir jeden Tag benutzen, die wir aber bisher noch nicht mit dem Internet in Verbindung gebracht haben. Auch Stereoanlagen, Videorekorder, Automobile, Herde, Kühlschränke, ja sogar unsere Kleidung wird in nicht allzu ferner Zukunft Internet-Zugang haben, sagt Neil Gershenfeld, Autor des Buches When Things Start to Think.

Sogar Microsoft-Chef Bill Gates, der Schwarze Baron der PC-Industrie, macht jetzt Pläne für eine Industrie, die nicht mehr vom PC beherrscht wird. Förmlich ersetzte der Konzern das alte Firmenmotto “A computer on every desk and in every home” durch “Empower people through great software anytime, anyplace, and on every device.” Die größte Bedrohung für Microsoft sind Anwendungen, die auf zentralen Web-Servern gehalten werden und von Nutzern über Web-Browser abgerufen werden. Damit verringert sich für diese die Notwendigkeit, Windows-PCs und Windows-Anwendungen zu kaufen. Stattdessen könnten sie sich Web-Appliances zuzuwenden. Microsoft-interne Studien sagen, dass zwar die Zahl der Programmierer, die für Windows entwickeln, gleich geblieben ist. Die Zahl der Software-Ingenieure, die für das Web entwickeln, ist jedoch im vergangenen Jahr um 21 Prozent gewachsen, und in diesem Jahr wird sie voraussichtlich um 38 Prozent zunehmen.

Damit Nutzer das Internet auch unterwegs anzapfen können, müssen einige Voraussetzungen geschaffen sein: hohe Datenübertragungsraten via Mobilfunkverbindung, ein einheitlicher Übertragungsstandard sowie eine Norm, mit der sich herkömmliche Web-Seiten auch auf den kleinen Displays von Handrechnern und Handys darstellen lassen.

Hohe Datentransferraten sind die erste Vorbedingung. Bisher lassen sich zwar Daten per Handy übertragen, aber bei einer Geschwindigkeit von 9600 Bit pro Sekunde (bps) ist das Ende der Fahnenstange erreicht. Das ist nur ein Viertel der Geschwindigkeit, die ein normales Tischmodem erreicht. Sie genügt, um E-Mails abzurufen und zu versenden, ist aber für viele grafikintensive Websites zu wenig.

Das soll sich laut Deutsche-Telekom-Tochter T-Mobil im nächsten Jahr ändern. Das Unternehmen will die neue Datenübertragungstechnik GPRS (General Paket Radio Service) einführen. Mit GPRS erreichen mobile Internetnutzer Datenübertragungsraten von über 100.000 bps. T-Mobil wird allerdings vorläufig nur 50.000 bps anbieten, das ist jedoch immer noch deutlich fixer als ein Tischmodem und fast so schnell wie eine ISDN-Leitung. Freilich brauchen die GPRS-Anwender neue Modems bzw. Geräte, um den Dienst nutzen zu können.

Doch selbst GPRS ist nur ein Vorgeschmack auf Größeres. Dafür will das Globale Harmonisierungsforum der Mobiltelfonindustrie sorgen. Seine 168 Mitglieder haben sich vor Kurzem auf einem Treffen in Toronto auf den neuen Mobiltelefonie-Standard Universal Mobile Telecommunications System (UMTS) geeinigt. Die Norm wird nicht nur Datentransfers mit bis zu 2 MBit pro Sekunde erlauben (gut 2 Millionen Bit oder gut 260.000 Buchstaben pro Sekunde). UMTS vereinheitlicht auch die bisher heterogenen Telefonstandards wie das europäische GSM und die US-amerikanischen Systeme PCS und CDMA. Praxistests sind schon im Gange, und Nokia, Ericsson und Siemens entwickeln bereits entsprechende Telefone. Im Jahr 2002 sollen die ersten kommerziellen Produkte auf dem Markt kommen.

Ein einheitlicher Standard für die Welt. 2 MBps sind mehr als genug sogar für Breitbandanwendungen. Mit UMTS gäbe es keine Geschindigkeitsgrenzen mehr für Internetanwendungen auf Handrechnern (Sie könnten dann beispielsweise Fernsehen auf Ihrem PDA sehen oder Videotelefonie betreiben). Der zweite große Vorteil des neuen Standards ist aber, dass er als einheitlicher Standard die Mobiltelefonmärkte miteinander verschmelzt. Zunächst wird damit Mobiltelefonie und mobile Webnutzung für die Anwender anziehender, weil sie nun ein und dasselbe Gerät überall auf der Welt nutzen können. Zweitens verschärft UMTS den Wettbewerb zwischen Mobiltelefonherstellern und Telefongesellschaften, was zu besseren Produkten für weniger Geld führen wird. Und drittens spart ein einheitliches Netz den Netzbetreibern Geld, was wiederum zu niedrigeren Preisen führen wird.

Die selbe Seite auf PC-Bildschirm, PDA und Handy? Drittens muss die Mobilbranche einen Standard schaffen, mit dem sich Webseiten auf Handrechnern, Handys, Pagern und anderen Internet-Appliances darstellen lassen. Internet-Producer passen Web-Seiten PC-Bildschirmen an. Die Displays von Internet-Appliances sind aber kleiner als Bildschirme und können daher nur kleinere Seiten darstellen. Hinzu kommt, dass sie in der Regel bisher nur schwarz-weisse Seiten abbilden können. Was Web-Producer also bräuchten, wäre eine Technologie, die herkömmliche Web-Seiten selbsttätig für kleinere Displays anpasst, so dass sie nicht jede Seite mehrfach anfassen müssen.

Ein gutes Dutzend Initiativen versuchen, diese Klippe zu umschiffen. Die wichtigsten sind AOL Anywhere, Yahoo! Everywhere, Oracles “Project Panama” sowie Ericssons WebOnAir-Technologie. Ihnen ist gemein, dass sie Layouts verkleinern, datenintensive Seitenelemente entfernen und Proxyserver einsetzen, um höhere Datentransferraten zu erreichen.

Der vielversprechendste Kandidat für einen Standard ist das Wireless Access Protocol (WAP). Es könnte sich zum HTML der Handrechner entwickeln, also zu einer Sprache, mit der man Seiten beschreiben kann, die auf Handheld-Webbrowsern und ihren kleinen Displays dargestellt werden sollen. Es wird als die Technologie der Wahl gehandelt, wenn Handys, Pager oder PDAs mit dem Internet verbunden werden sollen. WAP ist betriebssystem-unabhängig und könnte eine Untermenge des HTML-Nachfolgers XML werden. Weil Websites ihre Seiten zunehmend in XML kodieren, könnte die Übersetzung solcher Seiten für Handhelds und Handyes einfach sein.

Unterm Streich bleibt:

  • Die mobile Internetnutzung wird zunehmen. Dataquest schätzt, dass die Zahl der Kunden in den Vereinigten Staaten, die drahtlose Informationsdienste nutzen, sich bis 2003 verzehnfachen wird, von 3 Millionen in diesem Jahr auf 36 Millionen in vier Jahren. Nach einer Studie des Netzwerk-Hardware-Herstellers Cisco wird die Datenübertragung die Sprachübertragung via Mobilfunk im Jahr 2002 überholen.
  • Der PC wird in den kommenden fünf Jahren an Bedeutung als Internet-Zugangsgerät verlieren.
  • Internet-Appliances und mobile Zugangsgeräte wie Handrechner und Handys werden gleichzeitig einen höheren Stellenwert gewinnen.
  • Die Software-Entwicklung für Appliances wird zunehmen, ebenso die für Anwendungen, die Webseiten an kleinere Displays anpasst.
  • Mobiltelefon-Gesellschaften werden von der zunehmenden mobilen Internetnutzung profitieren.

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E-Commerce mit Kleidung, Spielzeug
und -- Möbeln?!

Meine Schlafstörungen konnte ich bisher hervorragend dadurch bekämpfen, dass ich Marktforschungsstudien zum Thema “Welche Produkte verkaufen sich online?” las. Die Berichte nannten die immer gleichen Produkte als Verkaufsrenner, nämlich Bücher, CDs und Videos sowie Computer-Hardware. Langweilig.

Doch nun kommt laut einer Studie von Commercenet/Nielsen Media Research Bewegung in die Sache. Sie fand nicht nur heraus, dass sich die Zahl der Online-Käufer in den Vereinigten Staaten in den neun Monaten von August 1998 bis April 1999 um 40 Prozent auf 28 Millionen erhöht hat. Sie ergab darüber hinaus, dass die erste Produktkategorie, die bisher als nicht webfähig galt, in die wichtigsten Top-Web-Produktgattungen vorgedrungen ist.

Die wichtigsten Produktkategorien laut dieser Studie waren: Bücher (rund 33% aller Online-Käufer kauften Bücher), CDs und Videos (26%), Computer-Hardware (20%) sowie -- Kleidung (16%). Kleidung war auch die einzige Produktkategorie, in der mehr Frauen (53%) als Männer (47%) einkauften.

Noch spannender wird es, wenn man sich anssieht, welche neuen Produktgattungen das stärkste Web-Wachstum haben. Das Marktforschungsunternehmens Activemedia Inc. hat untersucht, in welchen Produktkategorien neue Online-Shops tätig sind. Es tat dies einmal für den Zeitraum der vergangenen zwölf Monate und einmal für jenen der vergangenen 24 Monate. Hier das Ergebnis, zunächst jeweils die Angabe für den 24-Monats-Zeitraum, anschließend für den 12-Monats-Zeitraum:

  • Der Anteil von Geschenkversendern, Juwelieren, Blumenversendern und Grußkartenanbietern verfünffachte sich von 3,2% auf 17,3%.
  • Der Anteil der medizinischen und juristischen Dienstleister verdoppelte sich von 5,6% auf 12,2%.
  • Bekleidungs-Websites verdoppelten ihren Anteil von 5,6% auf 11,5%.
  • Der Anteil von Spielzeuggeschäften vervierfachte sich von 1,6% auf 6,5%.
  • Stark vertreten sind auch Websites, die sich Hobbies, Heimwerkern und Antiquitäten widmen (16,5% aller Geschafte, die jünger sind als 12 Monate, nach 12,8% im 24-Monats-Zeitraum).

Neue Anbieter von Computer-Hardware und -Software (11,5%) sowie von Bücher, CDs und Kassetten (9,4%) haben zwar ebenfalls große Anteile im 12-Monats-Zeitraum, allerdings sank ihr Anteil im Vergleich zum 24-Monats-Zeitraum.

Auf dem Langstreckenradar tauchen schon die nächsten Produktgattungen auf, die ins Web vorstoßen werden: Automobile (eine ausführliche Liste von US-Auto-Websites finden Sie hier), Online-Supermärkte (Webvan, Peapod.com) und Drogerien (Drugstore.com, PlanetRX). Sogar Möbelhändler stürmen jetzt das Web. Das Marktforschungsunternehmen Jupiter Communications schätzt, dass Online-Möbelgeschäfte in den Vereinigten Staaten im Jahr 2002 3,5 Milliarden US-Dollar umsetzen werden -- nur 200 Millionen Dollar weniger als Buchgeschäfte. Die wichtigsten Möbelgeschäfte: Furniture.com (CMGI-finanziert), Furniturefind.com sowie Living.com.

Was macht diese neuen Kategorien, die so lange im Tiefschlaf lagen, jetzt heiss? Mehr Frauen sind heute in den USA online als vor einigen Jahren (rund 45%; Deutschland: 27%). Die Folge: Der Anteil der Frauen an allen Online-Konsumenten ist von 29 Prozent im vergangenen Jahr auf 38 Prozent in diesem Jahr gewachsen (Nielsen Media Research). Damit bekommen Produktgruppen Auftrieb, in denen traditionell Frauen die Kaufentscheidungen treffen. Darüber hinaus konzentrieren sich viele Risikokapitalisten auf diese Märkte, weil die bekannten Produktgruppen wie etwa Bücher bereits so umkämpft sind.

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